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Schach als Sport   

 
  Das Schach ist als Sport voll anerkannt.
Beim 100. Jubiläum des Deutschen Schachbundes im vergangenen Jahr in Bad Lauterberg erregte eine fundamentale Rede des Präsidenten des Deutschen Sportbundes, Dr. Willi Weyer, Aufsehen. Ging es doch um die oft erörterte Frage, ob das Schachspiel als Sport anzusehen ist. Weyer antwortete darauf mit einem klaren Ja! Seine Rede mit dem Titel "Schach als Sportbeitrag des Abendlandes", die wir nachstehend auszugsweise bringen, fand sehr großen Beifall und hatte nicht nur in der Schachwelt ein starkes Echo.
Weyer erinnerte eingangs daran, daß bei der Gründung des Deutschen Sportbundes 1ß50 die Aufnahme des Deutschen Schachbundes als Mitglied abgelehnt worden war. Er fuhr dann fort: "Wenn der Deutsche Schachbund dann später doch in den Deutschen Sportbund aufgenommen wurde, bedeutet das eine grundlegende Änderung der Auffassung vom Schach als Sport. Die Einsicht, daß wir die geistige Einheit des Sports - Mensch und Moral, Sinn und Ziel - wiedergewinnen müssen, wenn wir nicht vom Wege der Menschlichkeit abkommen wollen, ist inzwischen ein weiteres Stück gewachsen. Die Montrealer Spiele, so Weyer, seien ein Menetekel gewesen. "Nicht die Leistung allein, das geistige Prinzip der Leistung, das auch Schach und Sport verbindet, wird die neuen Dimensionen der Entwicklung bestimmen und ihre Grenzen zeigen". An den Entwicklungsschritten des Schachspiels sei einiges davon abzulesen. Sein Ursprung liege weit vor der Zeitwende in Indien. ,,Die monumentale Geschlossenheit dieses friedlichen Kampfspiels unter den Gesetzen der Gleichheit und Gerechtigkeit und die unwandelbare Totalität seines Systems kennzeichnen die Macht des Geistigen. In den frühen buddhistischen Klöstern soll es ersonnen worden sein. War es die geniale Idee der Mönche, in diesem Spiel den Geist der Gewaltlosigkeit, wie ihn der Buddhismus lehrt, zu propagieren? Der Gedanke kommt einem jedenfalls.
In seinem Wechselspiel vom Raum der Felder und der Kraft der Figuren, von Zug und Geist, symbolisiert es das menschliche Leben, folgt es den großen Linien der historischen Entwicklungen.
Als Mittel der Bildung - als Ritterspiel - gelangt es im Mittelalter zu hoher Blüte. Es blieb aber immer noch ein namenloses Spiel. Die Welt der modernen Kultur, Zivilisation und Technik prägte die weitere Entwicklung des Schachspiels nicht weniger als die des Sports. Elemente der Bildung, der Kunst und der Wissenschaften führten beide dabei immer enger zusammen, so daß Schach - zumindest in der Form des Turnierschachs - heute unbestreitbar als Sport anzusehen ist.
Fast alle dem Sport zugeschriebenen Eigenschaften weist das Schachspiel ebenfalls auf und zeigt zusätzlich wichtige Merkmale für die Bildung der Persönlichkeit, die andern Sportarten fehlen.
Schach erzieht zu folgerichtigem Denken, erhöht die Kombinationsfreudigkeit, regt die schöpferische Phantasie an, hebt den Mut zum Risiko, fördert die Entschlußkraft, übt die kritische Einstellung zu sich selbst und anderen gegenüber, stärkt Geduld und Zuversicht. So kann der Schachspieler alle Eigenschaften eines guten Sportsmanns erwerben und in der Anspannung alle intellektuellen und willensmäßigen Kräfte bewähren.
Aber nicht nur der einzelne trägt für seine Persönlichkeit den Gewinn davon: Die Fortentwicklung des Schachs zu seiner jetzigen theoretischen und praktischen Höhe ist zum allergrößten Teil dem Sportgeist zu verdanken. Allein im Einsatz aller Kräfte entstehen die höchsten Leistungen. Schach ist nicht immer Sport gewesen, aber unter dieser Zielsetzung und den veränderten Gesetzen unserer Zeit zum Sport geworden.'
Weyer ging dann auf bekannte Schachgrößen ein, analysierte ihr Können und ihre großen Leistungen und die stille Arbeit der Schachvereine im Land und deren Stellenwert als Freizeitfaktor.
Er fuhr fort: "Diese Feststellungen sind nicht nur eine Verteidigungsrede für den Schachsport im Ringen um die Gemeinnützigkeit der Schachvereine, diese Feststellungen sind gleichzeitig auch eine Begründung dafür, daß sich Schach hervorragend als Unterrichtsfach an den Schulen eignen würde. In einer Zeit, in der unsere Schulen immer mehr zu Paukanstalten absinken und nicht  kreative junge Menschen, sondern numerus-clausus-geschädigte, sture Streber in das Leben entlassen werden, würde Schach eine Bereicherung jenes Kanons von Fächern wie Musik, Sport und Kunst sein, die besonders die schöpferischen Kräfte fördern." Schon vor zweihundert Jahren habe der berühmte amerikanische Gelehrte, Staatsmann und Pädagoge Benjamin Franklin die erzieherischen, ethischen und moralischen Aspekte dieses Spiels gewürdigt und dazu festgestellt: ,,Das Schachspiel ist nicht eine bloße müßige Unterhaltung. Verschiedene, sehr schätzbare und im Laufe des menschlichen Lebens nützliche Eigenschaften des Geistes können dadurch erworben und gekräftigt werden, so daß sie zu Gewohnheiten werden, die uns nie im Stich lassen."
Schach sei, so sagte Weyer u. a., ein Spiel für alle, für Männer und Frauen, jung und alt, Gesunde und Kranke, Starke und Schwache - ein wirklich demokratisches Spiel. ,,So offen wie das Spiel, sind auch die Vereine: Jeder darf mitmachen! So gesehen gehört der Deutsche Schachbund mit seinen über 55000 Mitgliedern in 2000 Vereinen zu den modernsten Verbänden des Deutschen Sportbundes."
(Aus ,,Deutsche Schachblätter")

 
 

 

 
   

 

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